Anforderung

Eine Anforderung ist eine Bedingung oder Fähigkeit, die in einem Produkt, einem Service oder einem Ergebnis vorhanden sein muss, um einen geschäftlichen Bedarf zu erfüllen. Der Satz ist bewusst eng: Was keinen Bedarf bedient, ist keine Anforderung, sondern eine Meinung.

Was den Begriff im Alltag brauchbar macht

Eine brauchbare Anforderung ist eindeutig, also messbar und testbar, nachverfolgbar, vollständig, widerspruchsfrei und für die maßgeblichen Stakeholder akzeptabel. Wer diese Prüfung ernst nimmt, sortiert einen großen Teil der ursprünglichen Wunschliste aus, bevor sie Aufwand erzeugt.

Der häufigste Fehler ist nicht die fehlende Anforderung, sondern die unprüfbare. „Das System soll schnell sein“ bindet niemanden. „Die Suche liefert das Ergebnis in unter zwei Sekunden bei 500 gleichzeitigen Nutzern“ ist eine Anforderung, weil sie eine Abnahme erlaubt.

Arten von Anforderungen

  • Geschäftliche Anforderungen umreißen die strategischen Ziele und den übergeordneten Bedarf der Organisation.
  • Stakeholder-Anforderungen beschreiben den Bedarf einer Person oder einer Gruppe.
  • Lösungsanforderungen beschreiben Features, Funktionen und Merkmale. Sie zerfallen in funktionale Anforderungen (Verhalten: Aktionen, Prozesse, Daten, Interaktionen) und nichtfunktionale Anforderungen (Zuverlässigkeit, Sicherheit, Leistung, Servicelevel, Aufbewahrung und Löschung).
  • Übergangs- und Bereitschaftsanforderungen beschreiben zeitweilige Fähigkeiten wie Datenmigration oder Schulung, die den Weg vom Ist- zum Soll-Zustand überhaupt erst möglich machen.
  • Projektanforderungen betreffen das Projekt selbst: Meilensteintermine, vertragliche Verpflichtungen, Randbedingungen.
  • Qualitätsanforderungen halten fest, woran der erfolgreiche Abschluss eines Liefergegenstands geprüft wird, etwa durch Tests, Zertifizierungen oder Validierungen.

In der Praxis fallen regelmäßig die nichtfunktionalen sowie die Übergangs- und Bereitschaftsanforderungen hinten herunter. Beide kippen keine Spezifikation, sondern den Produktivstart.

Praxis

  • Jede Anforderung braucht eine Quelle. Ohne benennbaren Urheber lässt sich später niemand fragen, was gemeint war.
  • Anforderungen werden priorisiert, nicht gesammelt. Eine Liste ohne Reihenfolge ist eine Liste ohne Entscheidung.
  • Der Weg von der Anforderung zum Liefergegenstand gehört dokumentiert, sonst lässt sich weder Vollständigkeit noch Verzicht belegen.
  • Die Regeln, wie Anforderungen erhoben, dokumentiert und geändert werden, stehen im Anforderungsmanagementplan.

Einordnung im PMBOK Guide 8

Die achte Ausgabe führt die Anforderung als Schlüsselbegriff der Leistungsdomäne Scope, neben Projekt-Scope, Produkt-Scope, Scope-Baseline und Projektstrukturplan. Erhoben und analysiert werden Anforderungen im Prozess „Anforderungen ermitteln und analysieren“; die Umbenennung gegenüber „Anforderungen sammeln“ der sechsten Ausgabe ist inhaltlich gemeint, denn Anforderungen liegen selten fertig vor.

Das Ergebnis ist die Dokumentation der Anforderungen, die anschließend in Scope definieren zur Beschreibung des Projekt-Scope ausgearbeitet wird. In adaptiven Ansätzen erscheinen Anforderungen meist als User Storys, priorisiert im Backlog; die Scope-Baseline heißt dort oft schlicht „priorisierte Anforderungen“.

Häufige Fragen

Was unterscheidet eine Anforderung von einem Ziel?

Das Ziel beschreibt, warum etwas getan wird, die Anforderung, was dafür vorhanden sein muss. Ein Ziel lässt sich nicht abnehmen, eine Anforderung schon.

Wie detailliert muss eine Anforderung sein?

So detailliert, dass sich daraus ohne Rückfrage ein Abnahmekriterium ableiten lässt. Alles darüber hinaus ist Entwurfsarbeit und gehört nicht in die Anforderung.

Wer verantwortet die Anforderungen?

Inhaltlich die Stakeholder, die den Bedarf haben. Das Projektteam verantwortet, dass die Anforderungen prüfbar formuliert, nachverfolgbar abgelegt und über den Änderungsweg gepflegt werden, nicht aber, was fachlich gebraucht wird.

Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: August 2026.