Der Anforderungsmanagementplan ist eine Komponente des Projekt- oder Programmmanagementplans. Er beschreibt, wie Anforderungen analysiert, dokumentiert und verwaltet werden. Er enthält also nicht die Anforderungen selbst, sondern die Spielregeln für den Umgang mit ihnen. Manche Organisationen nennen dasselbe Dokument Business-Analyse-Plan.
Was darin geregelt wird
Der PMBOK Guide 8 nennt fünf typische Bestandteile:
- Wie Anforderungsaktivitäten geplant, verfolgt und berichtet werden.
- Konfigurationsmanagement: wie Änderungen eingeleitet werden, wie ihre Auswirkung analysiert wird, wie sie nachverfolgt und berichtet werden und wer sie auf welcher Ebene genehmigen darf.
- Der Prozess zur Priorisierung von Anforderungen.
- Die verwendeten Metriken und die Begründung, warum gerade diese.
- Die Verfolgbarkeitsstruktur, also welche Anforderungsattribute in der Anforderungsrückverfolgungsmatrix erfasst werden.
Warum der Plan in der Praxis fehlt und was das kostet
Die Autorisierungsebenen sind der Punkt, an dem sich der Plan bezahlt macht. Ohne vorher festgelegte Ebene wird jede Anforderungsänderung zur Einzelverhandlung, und die Verhandlung gewinnt, wer am lautesten fragt. Genauso beim Priorisierungsprozess: Wer ihn erst im Konfliktfall festlegt, legt ihn zugunsten der Partei fest, die den Konflikt ausgelöst hat.
Der zweite häufige Fehler ist die Verwechslung mit der Anforderungsdokumentation. Der Plan ist das Verfahren, die Dokumentation ist das Ergebnis. Wer beides in ein Dokument packt, muss das Verfahren jedes Mal mitversionieren, wenn sich eine einzelne Anforderung ändert.
Die Metrikfrage wird oft übersprungen. Der Leitfaden verlangt ausdrücklich nicht nur die Metriken, sondern auch die Begründung für ihre Verwendung. Eine Kennzahl ohne Begründung wird gemessen, aber nicht genutzt.
Einordnung im PMBOK Guide 8
Der Anforderungsmanagementplan ist in der 8. Ausgabe ein eigener Eintrag im Abschnitt Inputs und Outputs und dort als Teilplan des Projektmanagementplans geführt. Er taucht als Input in den Prozessen rund um die Anforderungsarbeit auf, unter anderem bei der Erhebung und Analyse von Anforderungen und bei der Planung von Inhalt und Umfang. Die 8. Ausgabe hat den Prozess der Anforderungserhebung umbenannt: Aus „Collect Requirements“ wurde „Elicit and Analyze Requirements“, Anforderungen werden also herausgearbeitet und nicht eingesammelt. Der Anforderungsmanagementplan beschreibt, wie diese Arbeit organisiert ist.
In adaptiven Ansätzen bleibt die Funktion erhalten, die Form ändert sich: Priorisierung läuft über das Backlog, die Änderungssteuerung über Backlog-Management statt über formale Änderungsanträge. Geregelt werden müssen Priorisierung, Nachverfolgbarkeit und Entscheidungsbefugnis trotzdem.
Häufige Fragen
Braucht jedes Projekt einen eigenen Anforderungsmanagementplan? Nein. In kleinen Projekten reicht oft ein Absatz im Projektmanagementplan. Sobald mehrere Parteien Anforderungen stellen dürfen, lohnt das eigene Dokument.
Wer schreibt ihn? In der Regel die Projektleitung zusammen mit der Business-Analyse-Rolle, sofern es sie gibt.
Wann entsteht er? Vor der Anforderungserhebung. Danach ist er eine Rechtfertigung dessen, was ohnehin passiert ist.
Wie verhält er sich zur Anforderungsrückverfolgungsmatrix? Der Plan legt die Verfolgbarkeitsstruktur fest, die Matrix füllt sie mit Inhalt.
Verwandte Begriffe: Anforderung, Dokumentation der Anforderungen, Anforderungsrückverfolgungsmatrix.
Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: August 2026.