Explizites Wissen

Explizites Wissen ist Wissen, das sich in Wörtern, Zahlen oder Bildern festhalten lässt und deshalb weitergegeben werden kann, ohne dass die Person daneben steht, die es erzeugt hat. Der PMBOK Guide in der achten Auflage definiert es im Glossar als Wissen, das mithilfe von Symbolen wie Wörtern, Zahlen und Bildern kodifiziert werden kann. Das Gegenstück ist implizites Wissen, also das, was in Erfahrung, Gespür und Routine einer Person steckt und sich nur schwer aufschreiben lässt.

Drei Eigenschaften, an denen man es erkennt

  • Kodifizierbar. Es lässt sich in Worten, Bildern oder Zahlen dokumentieren.
  • Formal und systematisch. Es ist so strukturiert und geordnet, dass es ohne Vorwissen verständlich bleibt.
  • Leicht kommunizierbar. Es lässt sich über Handbücher, Verfahren und andere Dokumente teilen, außerdem über Informationsmanagementwerkzeuge wie Datenbanken, Register und Suchfunktionen.

Wo es im Projekt steckt

Im Projektalltag ist explizites Wissen alles, was jemand nachlesen kann: Spezifikationen, Prozessbeschreibungen, Verfahrensanweisungen, Checklisten, Konfigurationsdaten, das PSP-Wörterbuch und die dokumentierten gesammelten Erfahrungen aus abgeschlossenen Phasen.

Der übliche Anlass, Wissen ausdrücklich zu dokumentieren, ist ein Risiko: Eine Information hängt an einer oder zwei Personen, und wenn diese das Team verlassen, ist sie weg. Dokumentation ist hier eine Risikoantwort, kein Selbstzweck.

Zwei Fehler, die in der Praxis regelmäßig auftreten

Dokument ohne Kontext. Kodifiziertes explizites Wissen trägt seinen Entstehungszusammenhang nicht mit sich. Ein Leser sieht das Ergebnis, aber nicht, welche Annahmen und welche Situation dahinter standen. Deshalb ist eine Ablage voller Dokumente noch kein nutzbarer Wissensbestand. Wer Erfahrungen festhält, sollte die Ausgangslage mit aufschreiben, nicht nur die Entscheidung.

Dokumentieren mit Wissensmanagement verwechseln. Wissensmanagement ist mehr als das Aufschreiben von explizitem Wissen. Der schwierigere Teil ist der Umgang mit implizitem Wissen, und dafür braucht es Gespräche, gemeinsame Arbeit und Vertrauen, nicht ein weiteres Formular.

Einordnung in PMBOK 8

Der PMBOK Guide behandelt explizites Wissen im Zusammenhang mit dem Prozess „Projektwissen managen“. Wissensmanagement befasst sich dort mit explizitem und implizitem Wissen zugleich und dient zwei Zwecken: vorhandenes Wissen wiederzuverwenden und neues Wissen zu schaffen. Die Schlüsselaktivitäten dazu sind Wissensaustausch und Wissensintegration, also das Zusammenführen von Fachwissen, kontextbezogenem Wissen und Projektmanagementwissen.

Bemerkenswert ist die Richtung, die der Leitfaden beschreibt: Ein Teil des impliziten Wissens lässt sich in explizites Wissen umwandeln, und genau dieser Übergang ist die eigentliche Arbeit. Ein Projekt, das nur schon vorhandene Dokumente verwaltet, betreibt Ablage, kein Wissensmanagement.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen explizitem und implizitem Wissen?
Explizites Wissen lässt sich kodifizieren, implizites Wissen nicht ohne Weiteres. Ein dokumentierter Freigabeprozess ist explizit, die Einschätzung eines erfahrenen Projektleiters, welcher Lieferant bei Druck zuverlässig bleibt, ist implizit.

Ist explizites Wissen dasselbe wie Information?
Nein. Information wird zu Wissen, wenn sie in einem Zusammenhang steht und Entscheidungen trägt. Ein Messwert ist eine Information, die Begründung, warum dieser Wert als Toleranzgrenze gewählt wurde, ist Wissen.

Reicht eine Projektdokumentation als Wissensmanagement?
Nein. Sie deckt den expliziten Teil ab. Der implizite Teil geht verloren, wenn niemand ihn im Gespräch weitergibt, etwa in einer Retrospektive oder in gemeinsamer Arbeit an der nächsten Aufgabe.

Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: September 2026