Kostenentwicklungsindex (CPI)

Der Kostenentwicklungsindex (CPI) ist laut PMBOK Guide, 8. Ausgabe, ein Messwert für die Kosteneffizienz der budgetierten Ressourcen, ausgedrückt als Verhältnis zwischen Fertigstellungswert und Ist-Kosten.

CPI = EV ÷ AC

Die Interpretation ist im Leitfaden eindeutig festgelegt: Ein Wert größer als 1,0 bedeutet, das Projekt liegt unter den geplanten Kosten. Genau 1,0 heißt, es entspricht den geplanten Kosten. Weniger als 1,0 heißt, es liegt über den geplanten Kosten. Ein CPI von 0,80 sagt also: Für jeden ausgegebenen Euro sind nur 80 Cent an Arbeitswert entstanden.

Warum der CPI mehr sagt als ein Blick auf das Budget

Der naive Kostenvergleich stellt geplante Ausgaben gegen tatsächliche Ausgaben. Er sagt nichts darüber, wie viel dafür geleistet wurde. Ein Projekt, das nach der Hälfte der Zeit die Hälfte des Budgets verbraucht hat, kann hervorragend oder katastrophal dastehen, je nachdem, ob dafür die Hälfte oder ein Viertel der Arbeit fertig ist. Genau diese Lücke schließt der CPI, weil er den Fertigstellungswert einbezieht, also die geleistete Arbeit ausgedrückt im dafür genehmigten Budget.

Praxis

  • Kumulativ rechnen, nicht periodisch. Der CPI einer einzelnen Berichtsperiode schwankt stark. Aussagekraft hat der kumulative Wert über die bisherige Projektlaufzeit.
  • Zusammen mit dem Terminentwicklungsindex (SPI) lesen. Ein guter CPI bei schlechtem SPI heißt oft nur, dass zu wenig gearbeitet wurde, nicht dass günstig gearbeitet wurde.
  • Abweichungen absolut gegenprüfen. Der CPI ist ein Verhältnis. Die Kostenabweichung (CV) nennt den Betrag in Euro. Erst beides zusammen ergibt eine berichtsfähige Aussage.
  • Als Prognosegrundlage nutzen. Fällt der kumulative CPI unter den Basisplan, sollte die gesamte künftige Arbeit gegen den Fertigstellungsindex (TCPI) geplant werden, um innerhalb der ursprünglich geplanten Gesamtkosten zu bleiben. Diese Ableitung nennt der Leitfaden ausdrücklich.
  • Voraussetzung nicht vergessen. Ein CPI ist nur so gut wie die Fortschrittserfassung dahinter. Wer den Fertigstellungsgrad schätzt statt misst, rechnet mit einer Meinung.

Einordnung im PMBOK Guide, 8. Ausgabe

Der CPI hat einen eigenen Glossareintrag und steht in Tabelle 5-1 mit der Zusammenfassung der Berechnungen des Fertigstellungswerts, zusammen mit Kostenabweichung, Terminplanabweichung, Terminentwicklungsindex und der Gesamtkostenabweichung bei Fertigstellung (VAC). Er ist damit eine der Kernkennzahlen des Managements des Fertigstellungswerts.

Über die reine Kostenrechnung hinaus nennt die 8. Ausgabe den CPI in zwei weiteren Rollen: als Kennzahl der Abweichungsanalyse bei der Überwachung und Steuerung von Verträgen mit Anbietern, und als Beispiel für eine Leistungskennzahl in der Liste möglicher Projektkennzahlen neben Ausfallraten, erkannten Fehlern pro Tag und Kundenzufriedenheitswerten.

Häufige Fragen

Ab welchem Wert wird es kritisch?
Der Leitfaden nennt keine feste Schwelle, das ist eine Frage der Toleranzgrenzen des jeweiligen Projekts. In der Praxis ist weniger der Absolutwert das Signal als der Trend: Ein CPI, der über mehrere Perioden fällt, ist ernster als ein einmalig niedriger Wert.

Kann sich ein schlechter CPI wieder erholen?
Selten von allein. Der kumulative CPI ist träge, weil bereits verbrauchte Kosten nicht verschwinden. Eine Erholung setzt voraus, dass die Ursache behoben wurde, nicht nur, dass eine gute Woche folgte.

Funktioniert der CPI in agilen Projekten?
Grundsätzlich ja, wenn ein Budget je Arbeitselement zugeordnet ist. In der Praxis arbeiten adaptive Teams eher mit Velocity und Durchlaufzeiten, weil der Scope bewusst offen bleibt und ein fester Fertigstellungswert je Element dann schwer zu bestimmen ist.

Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: August 2026