Nominale Gruppentechnik (NGT)

Die Nominale Gruppentechnik (NGT) ist ein strukturiertes Verfahren, mit dem eine Gruppe zuerst Ideen sammelt und sie anschließend bewertet. Sie erweitert das Brainstorming um eine Abstimmung und liefert deshalb nicht nur eine Ideenliste, sondern eine Rangfolge.

Wie die Technik abläuft

Der Ablauf besteht aus vier Schritten. Die Moderation stellt eine klar formulierte Frage, und jede Person notiert ihre Antworten still für sich. Danach trägt die Runde reihum jeweils eine Idee vor, bis nichts Neues mehr kommt. Erst dann wird diskutiert, und zwar nur, um Ideen zu verstehen und Doppelungen zusammenzufassen, nicht um sie zu bewerten. Zum Schluss vergibt jede Person Punkte oder eine Rangfolge, die Punkte werden addiert.

Der stille erste Schritt ist der eigentliche Kern. Er sorgt dafür, dass auch die Beiträge der zurückhaltenden Teilnehmenden auf dem Tisch liegen, bevor die ersten Wortmeldungen die Richtung vorgeben. Genau das leistet ein offenes Brainstorming nicht: dort setzt sich häufig durch, wer zuerst spricht oder am lautesten argumentiert.

Wofür sie im Projekt taugt

  • Anforderungen sammeln. Aus einer Runde mit Fachbereichen entsteht in einem Termin eine priorisierte Liste statt eines ungeordneten Protokolls. Siehe Anforderung.
  • Risiken und Ursachen priorisieren. Die Punktvergabe macht sichtbar, worauf sich die Gruppe wirklich einigt, und trennt das von Einzelmeinungen.
  • Stakeholder einordnen. Beim Stakeholder identifizieren hilft die Rangfolge, den Kreis der wirklich Einflussreichen einzugrenzen.
  • Optionen auswählen. Bei mehreren gleichwertig wirkenden Lösungswegen ersetzt die Abstimmung eine endlose Diskussion durch ein nachvollziehbares Ergebnis.

Einordnung im PMBOK Guide 8

Die achte Ausgabe führt die Nominale Gruppentechnik unter den Methoden zur Gruppenentscheidung. Sie beschreibt sie als strukturiertes Verfahren, das den Input aller Teilnehmenden systematisch erfasst, und nennt als Zweck ausdrücklich, Chancengleichheit herzustellen und die Dominanz besonders lautstarker Mitglieder zu begrenzen. Der deutsche Begriff im Glossar lautet Nominale Gruppe, die Technik selbst wird als Nominale Gruppentechnik (NGT) bezeichnet.

Verwandte Verfahren im selben Umfeld sind die Delphi-Technik und Fokusgruppen.

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich die Nominale Gruppentechnik vom Brainstorming?

Brainstorming endet mit einer Ideenliste, die Nominale Gruppentechnik endet mit einer Rangfolge. Der zweite Unterschied liegt am Anfang: die Ideen entstehen still und einzeln, nicht im Zuruf.

Ist die Nominale Gruppentechnik dasselbe wie die Delphi-Technik?

Nein. Bei Delphi bleiben die Befragten anonym und arbeiten in mehreren Runden, oft ohne sich zu begegnen. Die Nominale Gruppentechnik läuft in einem Termin mit anwesender Gruppe ab.

Wie groß sollte die Gruppe sein?

Praktikabel sind etwa fünf bis zehn Personen. Darunter fehlt die Bandbreite, darüber wird die Vorstellungsrunde zu lang und der Vorteil der Struktur geht verloren.

Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: August 2026.