Projektorientierte Organisation

Eine projektorientierte Organisation ist ein Unternehmen, das seine Mitarbeitenden nicht nach Fachfunktionen, sondern nach Projekten gruppiert. Das Projektteam ist die organisatorische Einheit, die Projektleitung führt es in Vollzeit und mit weitgehender Entscheidungsbefugnis über Budget und Personal.

Woran man sie erkennt

Drei Merkmale unterscheiden sie von allen anderen Strukturen:

  • Die Gruppierung erfolgt nach Projekt. Nicht nach Abteilung, nicht nach Produkt, nicht nach Region.
  • Die Befugnis der Projektleitung ist hoch bis nahezu vollständig. Sie entscheidet, wer im Team arbeitet und wofür Geld ausgegeben wird, und muss das nicht mit einer Linienführung aushandeln.
  • Die Rolle ist eine ausgewiesene Vollzeitstelle. Projektleitung ist kein Anhängsel einer Fachaufgabe.

Der Preis dafür ist die Fachlichkeit. Wenn ein Projekt endet, löst sich das Team auf, und mit ihm die eingespielte Zusammenarbeit. Fachliches Wissen sammelt sich nicht mehr automatisch in einer Abteilung, sondern muss aktiv gesichert werden, etwa über Fachgemeinschaften oder ein Projektmanagementbüro. Auch die Auslastung wird zum Thema: zwischen zwei Projekten gibt es keine Linienaufgabe, in die jemand zurückfällt.

Abgrenzung zu den Nachbarbegriffen

Die Matrixorganisation ist die Zwischenform: Mitarbeitende gehören weiter zu einer Fachabteilung und arbeiten zugleich im Projekt. Je nachdem, wer das Sagen hat, spricht man von schwacher, ausgewogener oder starker Matrix. Die starke Matrix kommt der projektorientierten Organisation nahe, ohne die Linie aufzugeben.

Nicht zu verwechseln ist der Begriff mit den projektbasierten Organisationen (PBOs). Dort geht es um Unternehmen, deren Geschäftsmodell selbst aus Projekten besteht, etwa Bau, Beratung oder Anlagenbau. Eine projektorientierte Struktur beschreibt dagegen die interne Aufbauorganisation und kann auch in einem Haus vorkommen, das sein Geld mit Serienprodukten verdient.

Einordnung im PMBOK Guide 8

Die achte Ausgabe behandelt Organisationsstrukturen in Abschnitt 2.2.5 und vergleicht sie in Tabelle 2-1. Die deutsche Ausgabe führt den Typ dort als Projektorientiert (zusammengesetzt, hybrid), mit Gruppierung nach Projekt, hoher bis nahezu vollständiger Befugnis der Projektleitung und einer ausgewiesenen Vollzeitstelle. Daneben stehen die funktionale Struktur, die drei Matrixvarianten, die virtuelle beziehungsweise Netzplanstruktur und die hybride Mischform.

Die achte Ausgabe schreibt keine Struktur vor. Sie behandelt die Wahl als Ergebnis einer Abwägung zwischen den verfügbaren Strukturtypen und dem, was das Vorhaben tatsächlich verlangt. In der Praxis findet man selten einen reinen Typ, sondern Mischformen.

Häufige Fragen

Was ändert sich für die Projektleitung konkret?

Sie verhandelt keine Ressourcen mehr, sie disponiert sie. Damit verschiebt sich der Aufwand von der internen Politik hin zur Personalführung, denn sie ist jetzt auch fachlich und disziplinarisch verantwortlich.

Braucht eine projektorientierte Organisation ein Projektmanagementbüro?

Nicht zwingend, aber es hilft. Ein Programm- oder Projektmanagementbüro hält Standards, Werkzeuge und Erfahrungswissen zusammen, die sonst mit jedem Projektende verloren gehen.

Wo wird die Struktur dokumentiert?

Im Projektorganigramm, das Rollen und Berichtswege des Projekts abbildet.

Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: August 2026.