Qualität

Qualität ist im Projektmanagement kein Werturteil, sondern ein Messverhältnis. Der PMBOK Guide, 8. Ausgabe, definiert Qualität als den Grad, zu dem eine Reihe von inhärenten Eigenschaften eines Projektliefergegenstands oder -prozesses dazu beiträgt, die Zielvorgaben des Projekts zu erfüllen oder zu übertreffen. Entscheidend ist der zweite Teil des Satzes: Es gibt keine Qualität an sich, sondern immer nur Qualität gegenüber vorher festgelegten Zielen.

Daraus folgt der Satz, an dem sich die meisten Qualitätsdiskussionen in Projekten aufhalten: Ein teureres Produkt ist nicht automatisch das qualitativ bessere. Wer eine Anforderung auf zwei Nachkommastellen genau erfüllt, obwohl eine Nachkommastelle gefordert war, hat keine höhere Qualität geliefert, sondern Geld ausgegeben, das niemand bestellt hat.

Qualität und Güteklasse sind zwei verschiedene Dinge

Güteklasse beschreibt den Funktionsumfang oder die Ausstattung, Qualität die Erfüllung der Anforderungen. Ein Werkzeug der einfachsten Güteklasse kann hohe Qualität haben, wenn es genau das tut, was sein Datenblatt verspricht. Ein Produkt der höchsten Güteklasse hat schlechte Qualität, wenn es unzuverlässig ist. Niedrige Güteklasse ist eine Entscheidung, niedrige Qualität ist ein Problem.

Praxis: woran Qualität in Projekten tatsächlich hängt

  • Die Anforderungen sind der Maßstab. Ohne prüfbar formulierte Anforderungen und Abnahmekriterien ist Qualität eine Meinungsfrage, die am Ende der lauteste Stakeholder entscheidet.
  • Vorbeugen ist billiger als prüfen. Ein Defekt, der in der Anforderungsphase entsteht und erst nach der Auslieferung auffällt, kostet ein Vielfaches der Aufwände, die seine Vermeidung gekostet hätte. Die Kosten der Nichtkonformität steigen mit jeder Phase, in der der Fehler unentdeckt bleibt.
  • Qualität wird geplant, nicht am Ende geprüft. Wie geprüft und getestet wird, gehört in den Qualitätsmanagementplan und damit in die Planung, nicht in die Abnahmewoche.
  • Nacharbeit ist die Kennzahl, auf die es ankommt. Steigende Nacharbeit ist das ehrlichste Qualitätssignal eines Projekts, weil sie sich nicht schönreden lässt, sondern in Stunden und Kosten sichtbar wird.
  • Qualität und Scope hängen zusammen. Wenn der Scope unscharf ist, ist auch der Qualitätsmaßstab unscharf. Deshalb steckt ein erheblicher Teil des Qualitätsmanagements in der Arbeit am Scope.

Einordnung im PMBOK Guide, 8. Ausgabe

Qualität hat in der 8. Ausgabe einen eigenen Glossareintrag, aber keine eigene Leistungsdomäne und keinen nummerierten Prozess mehr, der so heißt. Das ist der auffälligste Unterschied zur 6. Ausgabe mit ihrem Wissensgebiet Qualitätsmanagement. Stattdessen ist das Thema verteilt:

  • Die Planung liegt bei der Scope-Arbeit, dort entsteht der Qualitätsmanagementplan.
  • Die Ausführung liegt in der Qualitätssicherung, die den Leitfaden zufolge geplante und systematische Aktivitäten umfasst und das Vertrauen in zukünftige Outputs erhöht.
  • Die Prüfung liegt in der Überwachung und Steuerung des Scope, mit Audits und Inspektionen, Tests und Produktbewertungen als Werkzeugen und verifizierten Liefergegenständen als Output.

Inhaltlich zieht sich der Qualitätsgedanke durch die Prinzipien: Der Leitfaden verlangt, Qualität in Prozesse und Liefergegenstände einzubauen, statt sie nachträglich hineinzuprüfen, und nennt als Ziel ausdrücklich, unnötige Nacharbeit und andere Arten von Verschwendung zu vermeiden.

Häufige Fragen

Ist Qualität dasselbe wie Kundenzufriedenheit?
Nein, aber sie hängen zusammen. Qualität misst gegen dokumentierte Anforderungen. Ein Projekt kann jede Anforderung erfüllen und trotzdem einen unzufriedenen Kunden haben, wenn die Anforderungen den eigentlichen Bedarf nicht getroffen haben. Genau deshalb reicht das Abhaken von Spezifikationen nicht aus.

Wer verantwortet Qualität im Projekt?
Die Verantwortung für den Qualitätsmaßstab liegt bei denen, die die Anforderungen setzen, also bei den Stakeholdern. Die Verantwortung dafür, dass gegen diesen Maßstab gearbeitet und geprüft wird, liegt beim Projektteam. Die Projektleitung verantwortet, dass beides überhaupt definiert ist.

Wie funktioniert Qualität in agilen Projekten?
Über dieselben Prinzipien mit anderer Taktung. Die Definition of Done ist der Qualitätsmaßstab je Element, automatisierte Tests sind die Prävention, und die Rückmeldung aus jeder Iteration ersetzt die eine große Abnahme am Ende.

Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: August 2026