Qualitätskennzahlen beschreiben konkrete Eigenschaften eines Projekts oder eines Produkts und legen fest, wie überprüft wird, ob diese Eigenschaften eingehalten werden. Sie übersetzen ein allgemeines Qualitätsziel in etwas Messbares: nicht „die Software soll stabil sein“, sondern „höchstens zwei Ausfälle pro Monat, gemessen an der Gesamtausfallzeit“.
Woraus eine Qualitätskennzahl besteht
Eine brauchbare Kennzahl nennt drei Dinge:
- Das gemessene Attribut. Was genau wird beobachtet, etwa Fehlerdichte, Termintreue oder Kostenleistung.
- Den Zielwert. Der angestrebte Wert, an dem gemessen wird.
- Die zulässige Abweichung. Die Toleranz, innerhalb derer das Ergebnis noch als konform gilt.
Ohne die dritte Angabe ist eine Kennzahl unbrauchbar, weil niemand sagen kann, ab wann gehandelt werden muss.
Beispiele aus PMBOK 8
Der PMBOK Guide in der achten Auflage nennt unter anderem den Prozentsatz der pünktlich abgeschlossenen Aufgaben, die anhand des Kostenentwicklungsindex (CPI) gemessene Kostenleistung, Ausfallraten, die Anzahl der pro Tag erkannten Fehler, die gesamte Ausfallzeit pro Monat, gefundene Fehler pro Codezeile, Werte zur Kundenzufriedenheit und den Anteil der durch den Testplan abgedeckten Anforderungen als Maß für die Testabdeckung.
Die Aufzählung zeigt die Spannweite: Qualitätskennzahlen messen sowohl das Produkt als auch den Weg dorthin.
In der Projektpraxis
Qualitätskennzahlen entstehen in der Qualitätsplanung und werden anschließend in der Qualitätskontrolle gegen die tatsächlichen Messwerte gehalten. Sie sind damit ein Bindeglied zwischen Plan und Prüfung, kein isoliertes Berichtsinstrument.
Zwei Punkte entscheiden über ihren Nutzen. Erstens die Auswahl: Welche Kennzahl sinnvoll ist, hängt von Technologie und Vorgehensmodell ab. Fehler pro Codezeile sagt in einem Bauprojekt nichts. Zweitens die Zahl der Kennzahlen. Wer zwanzig Werte erhebt, erhebt sie irgendwann nicht mehr sorgfältig. Wenige Kennzahlen, die tatsächlich Entscheidungen auslösen, sind mehr wert als ein vollständiges Kennzahlensystem, das niemand liest.
Einordnung in PMBOK 8
Qualitätskennzahlen sind in der achten Auflage ein Projektdokument und stehen dort unter den Inputs und Outputs. Sie beschreiben, wie der Prozess „Qualitätssicherung managen“ die Einhaltung der festgelegten Vorgaben überprüft. Verwandte Dokumente derselben Gruppe sind der Qualitätsbericht sowie Qualitätstest- und -bewertungsdokumente.
Der ältere Begriff „Qualitätsmetriken“ meint dieselbe Sache. Die deutsche Ausgabe der achten Auflage verwendet durchgängig Qualitätskennzahlen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Qualitätskennzahl und einer Kennzahl?
Eine Kennzahl ist jede Messgröße im Projekt, auch zu Kosten, Terminen oder Ressourcen. Eine Qualitätskennzahl misst speziell eine Qualitätsanforderung an Produkt oder Prozess.
Wer legt Qualitätskennzahlen fest?
Sie entstehen in der Qualitätsplanung, gemeinsam mit den Stakeholdern, die die Qualitätsanforderungen stellen. Ohne deren Zustimmung misst das Projekt an der Erwartung vorbei.
Wie viele Qualitätskennzahlen braucht ein Projekt?
So wenige wie möglich. Eine Kennzahl rechtfertigt ihren Aufwand nur, wenn eine Überschreitung eine konkrete Maßnahme auslöst. Kennzahlen ohne hinterlegte Konsequenz sind Aufwand ohne Ertrag.
Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: September 2026