Schleichender Scope-Zuwachs

Schleichender Scope-Zuwachs (englisch Scope Creep) ist die unkontrollierte Erweiterung des Produkt- oder Projekt-Scope, ohne dass Zeit, Kosten und Ressourcen angepasst werden. Typisch ist nicht die eine große Änderung, sondern viele kleine Extras, die einzeln harmlos wirken und in Summe Termin und Budget sprengen.

Häufige Ursachen sind unklare Anforderungen, eine fehlende oder umgangene Änderungssteuerung und Zusagen einzelner Teammitglieder direkt an Stakeholder. Das Gegenmittel ist nicht, Änderungen zu verbieten, sondern sie über die integrierte Änderungssteuerung zu bewerten und bewusst zu entscheiden, mit dokumentierter Inhalts- und Umfangsänderung gegen die Scope-Baseline.

Der PMBOK Guide der 8. Edition führt den Begriff im Glossar und nennt eine einfache Messgröße: den Anteil ungeplanter Liefergegenstände an allen Liefergegenständen, gemessen in Prozent. So wird sichtbar, wie viel Arbeit ohne formale Freigabe ins Projekt gerutscht ist.

Häufige Fragen

Ist jede Scope-Änderung schleichender Scope-Zuwachs?

Nein. Änderungen, die formal beantragt, bewertet und genehmigt werden, sind normale Projektarbeit. Schleichend ist der Zuwachs nur, wenn er an der Änderungssteuerung vorbei passiert.

Was ist der Unterschied zu Gold Plating?

Beim Gold Plating liefert das Team freiwillig mehr als bestellt, etwa zusätzliche Features als vermeintlichen Mehrwert. Scope Creep kommt dagegen meist von außen, oft durch Stakeholder-Wünsche. Beides umgeht die Änderungssteuerung und beides gilt als schlechte Praxis.

Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: Juli 2026