Eine Sollkostenschätzung (englisch should-cost estimate) ist eine unabhängige Kostenschätzung, die der Auftraggeber selbst erstellt, um beurteilen zu können, ob die Angebote von Lieferanten angemessen kalkuliert sind. Sie beantwortet die Frage: Was sollte diese Leistung realistisch kosten?
Anwendung in der Praxis
Die Sollkostenschätzung entsteht im Rahmen des Beschaffungsprozesses, oft mit Unterstützung von Fachleuten aus Einkauf, Technik oder Controlling. Sie dient als Vergleichsmaßstab bei der Angebotsbewertung: Weicht ein Angebot deutlich nach oben ab, deutet das auf überhöhte Preise hin; ein auffällig niedriges Angebot kann auf Lücken im Leistungsumfang oder ein späteres Nachforderungsrisiko hinweisen. Damit liefert die Sollkostenschätzung eine sachliche Grundlage für Verhandlungen und fließt in die Lieferantenauswahlkriterien ein.
Einordnung in PMBOK 8
Im PMBOK Guide der 8. Auflage ist die Sollkostenschätzung Teil des Beschaffungsmanagements. Sie gehört zur Vorbereitung, die im Prozess Beschaffungsmanagement planen geleistet wird, und ergänzt die Angebotsanfrage (RFP). Sie ist eine Form der unabhängigen Schätzung, mit der der Auftraggeber seine eigene Verhandlungsposition absichert.
Häufige Fragen
Ist die Sollkostenschätzung dasselbe wie eine unabhängige Schätzung? Sie ist eine Ausprägung davon. Der Begriff betont, dass es um die Frage nach den angemessenen Kosten geht, nicht nur um eine zweite Meinung.
Wann lohnt sie sich? Vor allem bei umfangreichen oder technisch komplexen Beschaffungen, bei denen sich die Angebotspreise schwer einordnen lassen.
Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: Juli 2026