Eine spezielle Ursache (englisch special cause) ist eine Quelle von Streuung in einem Prozess, die nicht zum normalen, dem Prozess innewohnenden Verhalten gehört, sondern auf ein konkretes, benennbares Ereignis zurückgeht. Ihr Gegenstück ist die allgemeine oder zufällige Ursache, die zur natürlichen Schwankungsbreite eines stabilen Prozesses zählt.
Anwendung in der Praxis
Spezielle Ursachen werden in der statistischen Prozesslenkung mit Qualitätsregelkarten sichtbar gemacht. Liegt ein Messwert außerhalb der Eingriffsgrenzen oder zeigt die Kurve ein nicht zufälliges Muster, deutet das auf eine spezielle Ursache hin: Der Prozess ist außer Kontrolle. Beispiele sind eine falsch eingestellte Maschine, ein Materialwechsel oder ein Bedienfehler. Solche Ursachen lassen sich gezielt suchen und abstellen, etwa mit einem Prüfblatt zur Datensammlung. Allgemeine Ursachen dagegen erfordern eine Änderung des Prozesses selbst.
Einordnung in PMBOK 8
Das Konzept stammt aus der statistischen Qualitätssteuerung und gehört zur Qualitätsarbeit in der Leistungsdomäne Lieferung. Auch wenn der PMBOK Guide der 8. Auflage weniger detailliert auf Regelkarten eingeht als frühere Ausgaben, bleibt die Unterscheidung zwischen speziellen und allgemeinen Ursachen für das Qualitätsmanagement grundlegend. Sie wird im Prozess Qualitätsmanagement planen vorbereitet.
Häufige Fragen
Was unterscheidet spezielle von allgemeinen Ursachen? Spezielle Ursachen sind zuweisbar und außergewöhnlich; allgemeine Ursachen sind die normale, systembedingte Streuung eines stabilen Prozesses.
Ist eine spezielle Ursache dasselbe wie das Überschreiten einer Spezifikationsgrenze? Nein. Eingriffsgrenzen zeigen die Prozessstabilität, Spezifikationsgrenzen die Kundenanforderung. Ein Prozess kann stabil sein und trotzdem die Spezifikation verfehlen.
Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: Juli 2026