Ursache-Wirkungs-Diagramm

Ein Ursache-Wirkungs-Diagramm ist eine visuelle Darstellung, mit der sich eine beobachtete Wirkung bis zu ihrer Grundursache zurückverfolgen lässt. Es gliedert die möglichen Ursachen einer Problemstellung in einzelne Äste auf und hilft dabei, die Haupt- oder Grundursache zu bestimmen, statt beim erstbesten Symptom stehen zu bleiben.

Wegen seiner Form ist es auch als Fischgrätendiagramm oder, nach seinem Urheber Kaoru Ishikawa, als Ishikawa-Diagramm bekannt. Gemeint ist in allen drei Fällen dasselbe Werkzeug.

Aufbau

Rechts steht die Wirkung, also das Problem, das erklärt werden soll. Von einer waagerechten Linie zweigen die Hauptursachenkategorien ab, von diesen wiederum die konkreten Einzelursachen. Das Ergebnis sieht aus wie ein Fischskelett, daher der zweite Name.

In der Fertigung sind die klassischen Kategorien die sechs M: Mensch, Maschine, Material, Methode, Milieu und Messung. In Projekten außerhalb der Produktion sind sie oft wenig hilfreich. Sinnvoller sind dort Kategorien, die zum Untersuchungsgegenstand passen, etwa Anforderungen, Schnittstellen, Personal, Werkzeuge, Termine und Umfeld. Die Kategorien sind ein Denkgerüst, keine Vorschrift.

Vorgehen

Die Erstellung ist bewusst einfach gehalten, weil sie im Team stattfindet:

  1. Wirkung präzise formulieren. „Zu viele Fehler“ ist keine Problemstellung, „18 Rückläufer in der Abnahme von Release 4“ schon.
  2. Hauptkategorien festlegen und als Äste eintragen.
  3. Je Kategorie mögliche Ursachen sammeln, ohne sie zu bewerten.
  4. Bei jeder plausiblen Ursache mehrfach nachfragen, warum sie auftritt. Die Fünf-Warum-Analyse und das Ursache-Wirkungs-Diagramm ergänzen sich hier: das Diagramm sortiert in die Breite, das Nachfragen geht in die Tiefe.
  5. Die verbliebenen Kandidaten prüfen, und zwar an Daten, nicht an Meinungen.

Der letzte Schritt wird am häufigsten übersprungen. Ein Ursache-Wirkungs-Diagramm erzeugt Hypothesen, es belegt nichts. Welche der gesammelten Ursachen tatsächlich wirkt, zeigen erst Messdaten, etwa aus einem Prüfblatt, einer Kontrollkarte oder einem Pareto-Diagramm.

Einordnung im PMBOK Guide 8

Die achte Ausgabe des PMBOK Guide führt das Ursache-Wirkungs-Diagramm auf Seite 150 als eigenständiges Werkzeug und nennt Fischgräten- und Ishikawa-Diagramm ausdrücklich als andere Bezeichnungen für dasselbe Diagramm. Im Stichwortverzeichnis steht unter „Fischgrätendiagramm“ nur ein Verweis auf den Haupteintrag.

Eingeordnet ist es bei den Techniken zur Problemanalyse, gemeinsam mit der Fünf-Warum-Analyse und der Prozessanalyse. Der Anwendungsbereich ist damit breiter als das reine Qualitätsmanagement: Das Diagramm eignet sich für jede Situation, in der eine unerwünschte Wirkung eine Ursache haben muss, also auch für Terminverzug, Risikoanalyse oder wiederkehrende Konflikte im Team. Weitere Darstellungsformen sind unter Diagrammtechniken beschrieben.

In der Praxis

Zwei Fehler sind verbreitet.

Der erste ist das vollständige Diagramm. Ein Ast für jede der sechs Kategorien, in jedem Ast drei Einträge, alles ordentlich beschriftet und keine einzige Ursache, an der jemand tatsächlich arbeitet. Vollständigkeit ist kein Ziel, Entscheidbarkeit ist eines.

Der zweite ist der Einzelbau. Ein Ursache-Wirkungs-Diagramm, das eine Person allein am Schreibtisch erstellt, enthält genau das Wissen dieser Person. Der Nutzen entsteht durch die Beteiligten aus verschiedenen Rollen, die einander widersprechen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Ursache-Wirkungs-, Fischgräten- und Ishikawa-Diagramm?

Es gibt keinen. Alle drei Namen bezeichnen dasselbe Werkzeug. „Ursache-Wirkungs-Diagramm“ ist die Bezeichnung, die der PMBOK Guide als Haupteintrag führt.

Wann setzt man es ein?

Immer dann, wenn ein Problem wiederholt auftritt und die Ursache nicht offensichtlich ist. Bei einem einmaligen Vorfall mit bekannter Ursache ist der Aufwand nicht gerechtfertigt.

Wie viele Ebenen sind sinnvoll?

Zwei bis drei. Wird tiefer verzweigt, verliert das Diagramm seine Übersichtlichkeit und damit den Grund, warum es überhaupt visuell ist.

Gehört es zum Qualitätsmanagement?

Ursprünglich ja, es zählt zu den klassischen sieben Qualitätswerkzeugen. Der PMBOK Guide 8 behandelt es aber allgemeiner als Technik zur Problemanalyse. Für die Qualitätsplanung siehe Qualitätsmanagement planen.

Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: August 2026.