Die verbleibende Dauer (Remaining Duration, RD) ist die Arbeitszeit, die vom aktuellen Datenstichtag bis zum Abschluss eines Vorgangs noch benötigt wird. Bei noch nicht begonnenen Vorgängen entspricht sie der geplanten Vorgangsdauer. Bei laufenden Vorgängen ist sie eine neue Prognose dessen, was noch aussteht, und damit die aussagekräftigste Zahl in jeder Statusabfrage.
Abgrenzung zu den anderen Dauerwerten
- Ursprüngliche Dauer (OD): die Dauer im genehmigten Plan.
- Tatsächliche Dauer: verstrichene Arbeitszeit vom tatsächlichen Anfangstermin bis zum Datenstichtag.
- Verbleibende Dauer: Arbeitszeit vom Datenstichtag bis zum prognostizierten Endtermin.
- Dauer bei Fertigstellung: tatsächliche plus verbleibende Dauer. Der Vergleich mit der ursprünglichen Dauer ergibt die Dauerabweichung des Vorgangs.
Nur die verbleibende Dauer blickt nach vorn. Die anderen drei Werte sind entweder Vergangenheit oder ein Versprechen aus der Zeit vor Arbeitsbeginn.
Einordnung in PMBOK 8
Der PMBOK Guide, achte Ausgabe, führt die verbleibende Dauer als eine der zentralen Statusgrößen der Leistungsbeurteilungen (Performance Reviews). Leistungsbeurteilungen messen, vergleichen und analysieren die tatsächliche Leistung der laufenden Arbeiten im Verhältnis zum Terminbasisplan, und zwar anhand der tatsächlichen Start- und Endtermine, des prozentualen Fertigstellungsgrads und eben der verbleibenden Dauer. In Projekt-Dashboards steht sie regelmäßig neben der Baseline-Dauer.
Schätzen statt ausrechnen
Der häufigste Fehler ist, die verbleibende Dauer aus dem Fertigstellungsgrad abzuleiten: 60 Prozent fertig bei zehn Tagen Dauer, also noch vier Tage. Das stimmt nur, wenn der Fortschritt linear verläuft und die ursprüngliche Schätzung getroffen hat. Beides ist zum Zeitpunkt der Abfrage meist nicht mehr der Fall. Sauber ist der umgekehrte Weg: die ausführende Person nach der noch benötigten Zeit fragen, damit den Terminplan aktualisieren und den Fertigstellungsgrad daraus ableiten, falls er berichtet werden muss.
Zwei verräterische Muster:
- Das 90-Prozent-Syndrom. Ein Vorgang meldet wochenlang 90 Prozent, während sich die verbleibende Dauer nicht bewegt. Gemessen wird dann der verbrauchte Aufwand, nicht die Restarbeit.
- Konstante Restdauer. Bleibt die verbleibende Dauer Woche für Woche bei fünf Tagen, kommt der Vorgang nicht voran, unabhängig von der Ampelfarbe im Bericht.
Praxis
Die verbleibende Dauer sollte für jeden laufenden Vorgang zu jedem Stichtag aktualisiert werden, bevor der Terminplan neu berechnet wird. Die Vorwärtsrechnung terminiert dann alle Nachfolger ab dem Datenstichtag neu, und kritischer Pfad, Pufferzeiten und Endterminprognose beruhen auf dem aktuellen Stand statt auf dem ursprünglichen Plan. Ein Terminplan mit gepflegten Ist-Terminen, aber veralteten Restdauern liefert eine Prognose, die präzise aussieht und falsch ist.
Häufige Fragen
Was unterscheidet verbleibende Dauer und Restaufwand?
Die Dauer ist Kalenderarbeitszeit, der Aufwand sind Personenstunden. Ein Vorgang mit 40 Stunden Restaufwand hat mit fünf Personen eine verbleibende Dauer von einem Tag, mit einer halben Person von zehn Tagen.
Kann die verbleibende Dauer größer sein als die ursprüngliche Dauer?
Ja, und häufig sollte sie das auch sein. Ist die Arbeit schwieriger als geplant, wächst die Restdauer und die Dauer bei Fertigstellung übersteigt den Planwert. Das zu unterdrücken, verschiebt die schlechte Nachricht nur nach hinten.
Ist die verbleibende Dauer null, wenn ein Vorgang abgeschlossen ist?
Ja. Mit dem Eintrag des tatsächlichen Endtermins geht sie auf null. Ein abgeschlossener Vorgang mit Restdauer ist ein Datenfehler.
Gibt es die verbleibende Dauer auch in agilen Projekten?
Nicht unter diesem Namen. Das Gegenstück ist die Restarbeit im Burndown-Chart oder die Zahl der offenen Elemente im Sprint, gemessen in Story Points oder Stück statt in Tagen.
Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: Juli 2026.