Ein Vertragsänderungssteuerungssystem ist die Sammlung von Prozessen und Dokumentationspflichten, mit denen Änderungen an einem Beschaffungsvertrag beantragt, bewertet, genehmigt oder abgelehnt und nachverfolgt werden. Es ist ein spezialisierter Teil des allgemeinen Änderungssteuerungssystems, der sich ausschließlich auf vertragliche Vereinbarungen mit Lieferanten bezieht.
In der Praxis
Verträge enthalten in der Regel eigene Klauseln dazu, wie Änderungen beantragt und freigegeben werden, häufig mit engeren Fristen und einer anderen Genehmigungskette als interne Projektänderungen. Weil Vertragsänderungen den Leistungsumfang, den Preis oder den Terminplan der Beschaffung berühren können, laufen sie meist über das Beschaffungsmanagement und werden dem Steuerungsgremium für Änderungen (CCB) nur bei wesentlichen Auswirkungen vorgelegt. Ein sauber geführtes Vertragsänderungssteuerungssystem verhindert, dass informelle Absprachen mit Lieferanten zu Nachträgen führen, die niemand freigegeben hat.
Einordnung im PMBOK 8
Als eigenständiger Prozessname taucht das Vertragsänderungssteuerungssystem in der 8. Auflage nicht mehr auf; es war Werkzeug der Beschaffungsprozesse früherer Ausgaben. Inhaltlich ist es heute Teil der integrierten Änderungssteuerung und des Beschaffungsmanagements innerhalb der Leistungsdomänen Planung und Projektarbeit.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet es sich vom allgemeinen Änderungssteuerungssystem?
Das allgemeine Änderungssteuerungssystem deckt alle Projektänderungen ab. Das Vertragsänderungssteuerungssystem ist der Teilbereich davon, der ausschließlich vertragliche bzw. beschaffungsbezogene Änderungen regelt, meist mit eigenen vertraglichen Fristen.
Wer genehmigt eine Vertragsänderung?
Je nach Tragweite die Projektleitung, das Beschaffungsmanagement oder das CCB. Wesentliche Preis- oder Umfangsänderungen erfordern in der Regel eine förmliche Nachtragsvereinbarung.
Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: Juli 2026