Eine Verzögerung (englisch lag, in der deutschen Ausgabe des PMBOK Guide auch Nachlaufzeit) ist die Wartezeit, um die eine Nachfolgeraktivität gegenüber ihrer Vorgängeraktivität nach hinten geschoben wird. Sie ist keine Verspätung und kein Problem, sondern eine geplante Pause in der Abhängigkeit zwischen zwei Vorgängen.
Das Standardbeispiel des Leitfadens: Nach dem Erstellen einer vollständigen Mängelliste beginnt das landschaftliche Gestalten des Baugrunds mit einer Anfang-zu-Anfang-Beziehung und 15 Tagen Verzögerung. Das Gegenstück ist der Vorlauf (lead), der eine Nachfolgeraktivität vorzieht, im selben Beispiel das Bearbeiten des Entwurfs zwei Wochen vor dem Ende des Entwurfserstellens.
Verzögerung ist nicht Puffer und nicht Verspätung
- Verzögerung ist Teil der logischen Beziehung. Sie wird bewusst modelliert und hat einen sachlichen Grund, meist einen physikalischen oder vertraglichen.
- Puffer ist die Zeitreserve, die sich aus der Netzplanberechnung ergibt oder als Reserve eingeplant wurde. Sie gehört keiner Beziehung, sondern dem Terminplan.
- Verspätung ist eine Abweichung vom Plan. Sie steht nicht im Terminplanmodell, sondern wird als Ist-Wert erfasst.
Die Vermischung dieser drei ist einer der häufigsten Fehler in Terminplänen: Wer Reserve als Verzögerung in eine Anordnungsbeziehung schreibt, versteckt sie vor der kritischen Pfadberechnung, und niemand kann sie später wiederfinden.
Praxis
- Jede Verzögerung braucht eine Begründung. Beton härtet aus, Farbe trocknet, eine Genehmigungsfrist läuft, ein Prüflabor braucht sieben Werktage. Wenn sich kein Grund benennen lässt, ist die Verzögerung wahrscheinlich versteckte Reserve.
- Wartezeit ist kein Vorgang. Eine Verzögerung verbraucht keine Ressourcen und erzeugt keinen Aufwand. Wer sie als eigenen Vorgang modelliert, bläht die Vorgangsdauer und die Aufwandssumme unnötig auf.
- Verzögerungen sind Kandidaten für die Terminplanverdichtung. Beim Verkürzen des kritischen Pfads lohnt der erste Blick auf sie: Nicht jede Wartezeit ist wirklich zwingend, manche ist historisch gewachsen.
- Negative Verzögerung vermeiden. Viele Werkzeuge lassen negative Werte zu, die dann faktisch ein Vorlauf sind. Das ist technisch möglich und in der Lesbarkeit ein Nachteil. Wer einen Vorlauf meint, sollte einen Vorlauf eintragen.
Einordnung im PMBOK Guide, 8. Ausgabe
Die 8. Ausgabe führt „Vorlauf- und Nachlaufzeiten“ als benanntes Werkzeug in den Abbildungen zur Terminplanentwicklung und zur Überwachung und Steuerung des Terminplans, dort neben logischen Anordnungsbeziehungen, Abhängigkeitsbestimmung, Schätztechniken und der Verdichtung des Terminplans. Abbildung 5-12 heißt in der deutschen Fassung „Beispiele für Vorlauf und Verzögerung“.
Der Leitfaden begründet den Einsatz nüchtern: Manchmal ist es notwendig, Vorlauf- oder Nachlaufzeiten zwischen Vorgängen festzulegen, damit ein realistischer und erreichbarer Projektterminplan entsteht. Außerdem zählen Vorlauf- und Nachlaufzeiten zu den Modelleingangswerten, aus denen die Methode des kritischen Pfades die Zeitfenster der Vorgänge, den Gesamtpuffer und die freie Pufferzeit berechnet. Sie sind damit rechenwirksam, nicht dekorativ.
Häufige Fragen
Heißt es Verzögerung oder Nachlaufzeit?
Die deutsche Ausgabe verwendet beides: „Verzögerung“ in der Abbildung zu den Beispielen, „Nachlaufzeit“ in den Werkzeuglisten. Gemeint ist dasselbe. Im Gespräch mit englischsprachigen Beteiligten ist lag eindeutig, weil dort keine Doppelbedeutung mitschwingt.
Mit welchen Beziehungstypen funktioniert eine Verzögerung?
Mit allen vier Anordnungsbeziehungen der Vorgangsknotennetzplan-Methode, also auch mit der Anfang-zu-Anfang-Beziehung und der Ende-zu-Anfang-Beziehung. Das Beispiel des Leitfadens nutzt eine Anfang-zu-Anfang-Beziehung.
Verlängert eine Verzögerung das Projekt?
Nur wenn sie auf dem kritischen Pfad liegt. Andernfalls verbraucht sie Puffer der betroffenen Kette. Deshalb sollte nach jeder Änderung an Verzögerungen der kritische Pfad neu berechnet werden.
Autor: Tom, seit 2004 PMP-zertifiziert. Zuletzt aktualisiert: August 2026